Martina Gräf, Naturkosmetikblogger, DIY Kosmetik verrückt, Naturkosmetik selber machen über alles :-)

Ich lasse mich scheiden! Meine verhängnisvolle, schon mehr als 30 Jahre dauernde Beziehung zur Kosmetikindustrie ist hiermit beendet. Master and Servant – so kann man unsere Affaire wohl am besten beschreiben. 3 Jahrzente war ich unterwürfig, habe keine Fragen gestellt. Habe immer schön meinem Meister gedient indem ich mein Geld immer wieder in seine heiligen Hallen getragen habe ohne zu verstehen, welche Chemie ich mir Tag täglich ins Gesicht und auf den Körper schmierte. Die Erkenntnis darüber, wie abhängig ich von den Werbeaussagen der Industrie war, brachte 2006 das Fass zum überlaufen. Ich hatte die Schnauze gestrichen voll. Das konnte doch alles nicht möglich sein! Ich wollte nicht länger ein hilfloses Opfer meiner Unwissenheit sein. Aber jetzt mal langsam und von Anfang an:

Schon als Kind habe ich heimlich die duftenden Kosmetikprodukte meiner Mutter ausprobiert, mich gerne mit Freundinnen zum Spaß mit allerlei buntem Make-up geschminkt – sehr zum Missfallen meiner Mutter. Hin und wieder durfte ich mir mit meiner Mom bei Yves Rocher oder Avon ein duftenden Lippenpflegestift mitbestellen – ich war im Himmel!

Als Teenager besaß ich sogar einmal ein Hobbythek-Buch von Jean Pütz. Schon damals wollte ich unbedingt meine eigene Kosmetik herstellen. Allerdings war Chemie nicht gerade mein Lieblingsfach (ganz im Gegenteil!) und so waren mir die Rezepturen viel zu kompliziert. Zum anderen war es damals, im Vor-Internet-Zeitalter (Gott bin ich alt) kaum möglich, die besagten Inhaltsstoffe zu beschaffen.

Vor circa 10 Jahren schließlich, also bereits im aufgeklärten Erwachsenenalter, begann ich mich zu Fragen, was ich mir denn da so alles ins Gesicht, auf die Haut und in die Haare knallte. Die sich ausdehnende Bio-Bewegung und der damit verbundene bewusstere Lebensstil nahm auch mich zunehmend ein und so wollte ich auch bei der Pflege mal genauer hin schauen. Allerdings verstand ich beim Lesen der INCI (Inhaltsstoffe) auf den Verpackungen meiner Pflegeprodukte nur Bahnhof. Ich fragte mich, was die Hersteller denn zu verschleiern hätten, weil sie nicht für jedermann verständlich auf die Verpackung schreiben, was da so drin ist. Mir blieb nur die Möglichkeit, mich auf Öko-Label zu verlassen und sündhaft teuere Naturkosmetik zu konsumieren. Die INCI nicht zu verstehen brachte mich schier an den Rand des Wahnsinns.

Ein weiterer Impuls gab mir die Geburt meines Sohnes, der bereits mit 3 Monaten unter heftiger Babyneurodermitis litt. Als Neu-Mama versucht man schließlich, alles möglichst richtig zu machen und so griff ich natürlich wieder zur vermeintlich gesunden Naturkosmetik für Babies und Kleinkinder. Unglaublich übrigens, wie viele verschiedene Cremes, Pülverchen, Lotionen und Waschmittelchen so ein Baby laut der Kosmetikindustrie so brauchen soll. Natürlich hatte ich auch hier mal wieder keine Ahnung davon, wie die Haut so tickt und wie gerade natürliche Pflegeprodukte die Haut reizen und Allergien auslösen können.

Ich fühlte mich immer hilfloser und – ehrlich gesagt – total verarscht!

Bis ich eines Tages von einer Freundin eine Naturseife geschenkt bekommen habe. Als Handcreme-Junkie stellte ich schnell fest, wie sich mein Handcreme-Konsum in kürzester Zeit auf ein Minimum reduzierte. Und dann ging es los: Wie macht man eigentlich Seife? Wie kann ich mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen eine gute Seife herstellen? Bzw. Shampoo / Deo / Creme? Was zeichnen hochwertige Naturkosmetik Produkte aus? Wie? Ich kann das alles selbst herstellen?!

Zugegeben, ich schminke mich gern. Nicht jeden Tag, aber zum entsprechenden Anlass trage ich gerne mal etwas dicker auf. Seit den ersten Versuchen im elterlichen Bad bin ich von Pinseln und Farben eben fasziniert. Was mir dann nach Jahrzehnten „zu dick Auftrages“ (im wahrsten Sinn des Wortes) letztendlich eine lustige Periorale Dermatits eingebrockt hat. Jetzt habe ich es vor ein paar Wochen tatsächlich geschafft, diese gehasste alte Bekannte endlich zu vertreiben. Und zwar mit einem vermeintlichen „Unkraut“ aus meinem Garten…. Wie cool ist das denn bitte?! Und ich: Stolz wie Oskar 🙂

Es hat mich ganze 10 Jahre gekostet, den richtigen Weg für mich einzuschlagen. Ich habe natürlich viel gelesen und ausprobiert, wurde oft ge- und enttäuscht. Aber am Ende dieser Erkenntnisreise gibt es für mich nur eine Wahrheit: Verantwortung übernehmen und selber machen! Nach viel lesen und ausprobieren wollte ich es dann aber noch einmal ganz genau wissen und schloß im März ’18 meine Ausbildung zur Kosmetikerin ab.

Also ran an die Rührer und Bächergläser! Allen die sich derzeit auf einer ähnlichen Reise befinden kann ich nur sagen, es ist ein wahrhaft heilsamer Prozess sich um seine eigene Pflege zu kümmern. Aber: Es macht total süchtig. Also „uffbasse“ 😉

Liebe Grüße

Martina

P.S.: Du hast es bis ganz nach unten geschafft. Danke für’s Lesen!