DIY Kosmetik Blogs und zum Thema Naturkosmetik selber machen sprießen ja gerade überall aus dem Boden. Aber woher weiß man eigentlich, ob es sich dabei um ein gutes oder schlechtes Rezept handelt? Viele Einsteiger sind zunehmend verwirrt. Sie können überhaupt nicht einschätzen, wann eine Formulierung sinnvoll ist und wann nicht. Ich erkläre Euch, wie Ihr die Qualität eines Rezeptes für DIY Kosmetik auf den Prüfstand stellen könnt. 

Wer schreibt denn hier eigentlich über was?

Angenommen Du landest auf einem hübschen Blog mit interessanten DIY Kosmetik Rezepten. Jetzt möchtest Du natürlich auch wissen, wer da schreibt, oder? Aber schaue Dir doch zunächst einmal, was das Thema des Blogs genauer an. Geht es beispielsweise in erster Linie um DIYs? Oder wird zu ganz unterschiedlichen Themen wie Ernährung, ökologisch Leben, Nachhaltigkeit, Gärtnern und so weiter, aber nur nachrangig und nebenbei über Kosmetik gebloggt? Was findest Du auf der „About / Über mich“ Seite? Welche Erfahrung kann der / die Blogger(in) zum Thema Kosmetik vorweisen? Bitte überprüfe doch mich gleich mal. Und? Seriös???? 

Aus eigener Erfahrung kann ich Dir versichern, es braucht Jahre um einigermaßen erfolgreich hochwertige Formulierungen zu kreieren. Und wahrscheinlich Jahrzehnte, wenn man nebenbei noch über allerlei andere Dinge bloggt. Natürlich ist es auf keinen Fall schlecht, wenn jemand auf seinem DIY Blog auch Badebomben Rezepte postet. Wenn Du aber wirklich an hautphysiologisch sinnvollen Rezepten interessiert bist, dann solltest Du auch nur Rezepten und den dazugehörigen Erstellern vertrauen, die sehr viel Erfahrung mitbringen. Oder würdest Du ein gebrochenes Bein auch einem Hobbyschreiner, der im Hauptberuf Beamter ist, anvertrauen?

Wie erkenne ich ein gutes Rezept für eine Creme?

Klären wir zunächst einmal, was eine Creme ist. Man könnte zwar annehmen, jeder der ein Creme Rezept postet, sollte dies schon wissen. Dem ist aber nachweislich nicht so.

Eine Creme besteht aus einer Fettphase und aus einer Wasserphase. Beim Cupcakes Backen mischst Du beispielsweise erst jeweils alle festen und dann alle flüssigen Bestandteile zusammen, bevor du alles zusammenrührst. Willst Du eine Creme selber machen, mischst Du zunächst jeweils alle wasserlöslichen Inhaltsstoffe und dann ein einem extra Gefäß alle fettlöslichen Inhaltsstoffe zusammen, bevor diese beiden Phasen zusammengerührt werden. Findest Du ein Rezept für eine Creme der die Wasserphase fehlt, dann kannst Du davon ausgehen, dass der Author nicht wirklich viel von Kosmetik versteht. Korrekt wäre hier die Bezeichnung Balsam oder Salbe. Eine Creme ist jedoch eine Emulsion aus Wasser und Öl.

Wer DIY Kosmetik Anleitungen veröffentlicht sollte den Unterscheid zwischen einer Creme und einem Balsam kennen

Natürlich braucht es zum Herstellen einer Creme mit Wasser- und Fettphase einen Emulgator. Denn sonst trennen sich Fett und Wasser nach einer Weile wieder. Durch die Naturkosmetik stehen uns inzwischen ganz milde, wunderbare Emulgatoren zur Verfügung, die teilweise sogar die Barriere und damit die Schutzfunktion der Haut sogar unterstützen. Wer sich langfristig nur mit Fetten eincremt, läuft hingegen Gefahr, sich ein Austrocknungsekzem anzulachen. Die Haut braucht eben auch Feuchtigkeit und nicht nur Fett. Das kann wirklich lästig bis schmerzhaft sein. Also Bitte: Keine Angst vor Emulgatoren und schon gar nicht vor dem Rühren von Cremes mit Wasser- und Fettphase!

Übrigens gibt es auch Bücher, Bestseller sogar, in denen Balsame als Cremes bezeichnet werden. Was soll ich sagen. Traue nur den Büchern, die Du selbst geschrieben hast…

DIY Kosmetik braucht man nicht konservieren

Eigentlich gehört dieses Thema an erste Stelle. DIY Kosmetik behauptet ja immer, besonders mild und hautfreundlich zu sein. Und die bösen Konservierungsstoffe seien ja alles andere als gesund für die Haut. Ich widme mich an anderer Stelle noch einmal ausführlich diesem Thema, hier würde es jetzt zu weit führen. Fakt ist: Sobald Wasser in einer Rezeptur im Spiel ist MUSS konserviert werden. Ansonsten würde das Produkt sogar im Kühlschrank in nur wenigen Tagen verkeimen. Und nein, man kann nicht riechen, sehen, schmecken, wenn ein Produkt gekippt ist. Die Verkeimung beginnt schon beim Rühren. Wenn keine ausreichende Hemmkonzentration durch einen passenden und ausreichenden Konservierungsstoff gegeben ist, ist das Produkt in Kürze „Schrott“.

Viele Selbstrührer leiden früher oder später einmal an lustigen Hautekzemen, weil sie glauben, Konservierung wäre nur etwas für die Kosmetikindustrie. Leider falsch! Wer eine ordentliche Creme, ein Gesichtswasser oder ein Tensidprodukt herstellen will, muss angemessen konservieren oder er beziehungsweise sie setzt die eigene Hautgesundheit aufs spiel. Bitte macht einen großen Bogen um nicht konservierte Rezepte, die Wasser enthalten. Das ist grobe Fahrlässigkeit!

Bevor Fragen kommen: Auch die sogenannte „Frischekosmetik“ ist konserviert. Zum Glück…. So steht es übrigens auch in der Kosmetikverordnung und ist damit Gesetz.


Mache jetzt den kostenlosen Hauttest

87% aller Frauen kennen Ihren wahren Hauttyp nicht. Trage Dich in meinen Newsletter ein und erhalte Deinen kostenlosen Hauttest.


Weiterverarbeitung von fertigen Produkten

Auch aufgrund des Themas um die richtige Konservierung mag ich keine fertigen Produkte weiterverarbeiten. Also Dusch Jellys aus Duschgel, Lippenbalsam färben mit altem Lippenstift und so weiter. Es ist schwierig, solche Produkte ordentlich zu konservieren. Außerdem widerspricht es auch meinem Ansatz, denn ich möchte ja wirklich wirklich wissen was drin ist. Und ob ich für das Duschjelly ein Duschgel verwende oder ein mildes Tensid, das ich auch noch auf den richtigen pH-Wert einstellen kann, das macht für mich schon einen großen Unterschied.

DIY Kosmetik Rezepte mit Tee und frischen Lebensmitteln

Ich verwende niemals Tee in kosmetischen Rezepturen. Diese enthaltenen Schwebstoffe können nicht ausreichend konserviert werden und Beschelunigen dadurch den Verkeimungsprozess. Gleiches gilt für frische Lebensmittel. Alternativ sind Marzerate, also Ölauszüge von getrockneten Kräutern, oder wässrig-alkoholisch Tinkturen aus frischen Kräutern möglich. Sonst nix.

Mengenangaben in DIY Kosmetik Rezepten

Optimal sind Angaben in Prozent oder wenigstens in Gramm. Mengenangaben in ml oder, noch schlimmer, Löffelweise sind wirklich nicht professionell. Wir arbeiten bei unseren Rezepten mindestens im 0,1g Bereich. Wie soll das bitte mit Löffeln funktionieren? Klar, könnte man sich so eine Waage sparen. Aber um wirklich tolle Rezepturen erfolgreich rühren zu können, muss man einfach möglichst genau arbeiten. Dafür gibt es ja DIY Sets, wo die Inhaltsstoffe schon abgewogen sind. Hat einem das Rührfieber gepackt ist eine Investition in eine Waage für rund 50 Euro unumgänglich. Aber so ist da nun mal im Profi-Tennis 😉 Ich habe meine Waagen von Kern übrigens bei Büromarkt Böttcher gekauft (nein, kein Partnerlink).

Hydrolate selber machen mit der Espressomaschine

Das funktioniert nicht. Es handelt sich dabei nur um einen etwas stärkeren Aufguss, aber nicht um ein Destillat per Wasserdampfdestillation.

Das ist übrigens auch so ein prädestiniertes Thema für die großen Rezept-Sammelseiten. Ich hoffe Ihr wisst, welche ich meine. Hier wird mit einer Flut von einfachen Rezepten Traffic generiert, um über Werbeeinnahmen dann großes Geld zu machen. Das spricht nicht für die Qualität der Rezepte. Im Gegenteil. Putzmittel dürft Ihr da gerne nachrühren, aber bitte keine Haut- Haar- und Körperpflege!

Bedenkenloser Umgang mit Ätherischen Ölen

Ätherische Öle in DIY Kosmetik sollten wirklich mit Bedacht eingesetzt werden, da sie auch reizen oder Allergien auslösen können.

Ätherische Öle sind schon eine tolle Sache. Oft duften Sie ganz herrlich und haben zudem meist eine ganz bestimmte Wirkung auf Körper und Geist. So weit so gut. Allerdings können Ätherische Öle, beziehungsweise deren spezifische Inhaltsstoffe schwere Allergien auslösen. Aus diesem Grund müssen viele Inhaltsstoffe auf der Verpackung deklariert werden. Bergamotteöl ist beispielsweise bekannt für seine phototoxischen Eigenschaften (mehr dazu auf dem phantastischen Blog von Margarete Ahrer Aroma 1×1). Auch sind, wie viele wissen,  mentholhaltige ätherische Öle für Kinder unter 3 Jahren absolut tabu, da diese zu starken Atembeschwerden bis hin zur Erstickung führen kann. Und noch etwas: Ätherische Öle, auf die Haut aufgetragen, können sogar im Blut nachgewiesen werden. Bitte informiert Euch daher immer genau, inwiefern die Anwendung von ätherischen Ölen für die gewünschten Zwecke geeignet sind.  Hier noch eine tolle Übersicht von  Aroma 1×1.

Krebs heilen mit Kokosöl

Ich gebe zu, das ist nicht witzig. Und deshalb bitte Finger weg von solchen vermeintlichen Allheilmitteln. Die gibt es nicht. Gestern war es Kokosöl, heute ist es Kurkuma und morgen Natron. Bullshit. Habe fertig.

Jetzt ist dieser Post leider eher zu eine Negativliste ausgeartet. Ich hoffe, er gibt Euch dennoch einen kleinen Überblick darüber, was bei der Herstellung guter und gesunder DIY Kosmetik zu beachten ist. Frohes Rühren 😉

Liebe Grüße

La Martina

Woran erkenne ich ein gutes DIY Kosmetik Rezept? Naturkosmetik selber machen, Creme, Ätherische Öle, einfach, vegan

 

MerkenMerken


Martina Gräf

DIY Kosmetik verrückt, Mama von 2, Ehefrau, Kosmetikerin, Vegetarierin und unumstürzliche Optimistin :)

    2 replies to "Woran erkenne ich ein gutes DIY Kosmetik Rezept?"

    • Martina S.

      Da ich ja bei deinem Rosmarin-Shampoo keinen Kommentar dazuschreiben kann, mach ich es halt hier – mein Mann liebt es! Danke für das Rezept!

      Übrigens – zum Thema – deine Rezepte fallen auf jeden Fall unter die Kategorie „sehr gut“. Nachrühren sehr zu empfehlen 🙂

      • Martina Gräf

        Liebe Martina,

        vielen Dank für Dein Feedback! Freut mich sehr, dass Dir meine Rezepte gefallen 🙂

        Lieben Gruß
        Martina

Leave a Reply

Your email address will not be published.