In dieser Podcast-Folge nehme ich die derzeit angesagtesten Werbeaussagen wie „frei von…“, Cruelty Free und Clean Beauty unter die Lupe. Welche Werbeclaims geben Dir wirklich Informationen über ein Kosmetikprodukt und welche Aussagen sind nur werblicher Natur?

Werbeversprechen und ihr Wert für Deine Kaufentscheidung

Aktuell beschäftigte ich mich dem Thema Werbeaussagen, wie „frei von… „, Clean Beauty aber auch mit Kosmetik Labels wie Cruelty free. Bei meinen Recherchen und auch angestoßen durch das Interview mit Toby Sulianto musste ich immer wieder den Kopf schütteln darüber, was uns Verbrauchern alles vorgegaukelt wird.

Grundsätzliches zum Thema Werbeaussagen

Grundsätzlich ist die Kosmetikverordnung (das ist sozusagen die „Übersetzung“ europäischer Gesetze ins nationale Recht) für alle Kosmetikhersteller bindend. Die KVO enthält auch Bestimmungen darüber, in welcher Form Werbeaussagen getroffen werden dürfen.

Die Verordnung beschreibt, dass die Anforderungen an Werbeaussagen zu kosmetischen Mitteln stets

–          wahrheitsgetreu
–          belegbar
–          redlich und
–          lauter

sein sollen. Wenn der Hersteller eine Werbeaussage trifft, dann muss diese auch wahr sein. Im Zweifel muss der Hersteller also beweisen, dass die Aussage richtig ist. Die Kosmetikverordnung wurde in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft. Aktuell kannst Du in diesem Anhang zur KVO nachlesen, welche Vorschriften es für Werbeaussagen gibt.

Alle Aussagen was ein Kosmetikprodukt „kann“ wie beispielsweise „Spendet 48 Stunden Feuchtigkeit“ müssen beweisbar sein. Zum Beispiel, indem man auf entsprechende Studien verweist oder selbst Studien durchführen lässt.

Clean Beauty und die „frei von…“ Werbeaussagen

Die sogenannten „Free From Claims“ wurden ebenso weiter eingeschränkt. „Frei von Formaldehyd“ darf nur verwendet werden, wenn auch keine Abbauprodukte von kosmetischen Inhaltsstoffen Formaldehyd produzieren können.

„Ohne Konservierungsstoffe“ beziehungsweise „frei von Konservierungsstoffen“ darf nicht mehr verwendet werden, wenn ein anderer Stoff, der nicht als Hauptfunktion konservierend wirkt (wie beispielsweise Alkohol) als Konservierer eingesetzt wird.

„Ohne Parabene“ (ebenso Konservierungsmittel) darf nicht verwendet werden, wenn Parabene im Allgemeinen verunglimpft werden.

Es ist also grundsätzlich nicht verboten solche Werbeaussagen zu treffen. Sollte sich jedoch jemand an dieser Bezeichnung stören, so wird wohl ein Gericht entscheiden müssen, inwiefern die Begriffe rechtmäßig verwendet wurden. Ich würde mich als Hersteller da lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und „frei von Parabenen“ nicht verwenden. Warum auch?

„frei von…“ Claim, und schon so sehen die eigenen Produkte besser aus

…indem Produkte mit Parabenen schlecht gemacht werden. Als Hersteller sollte man sich gut überlegen, ob man das wirklich nötig hat und auf das Produkt drucken muss.

Weiterhin strittig ist die Verwendung von „Frei von Allergenen und sensibilisierenden Inhaltsstoffen. Gerade bei Naturkosmetik sind Rohstoffe mit geringem allergenem Potenzial schwer zu finden.

„Frei von Parfum“ darf nicht mehr verwendet werden, wenn ein anderer Stoff Duft verströmt, der nicht in erster Linie als Parfum ausgelobt wird. Und wer den Begriff „hypoallergen“ für Kosmetikprodukte verwendet, muss ein besonders geringes Allergierisiko nachweisen können.

Clean Beauty ist also eher Augenwischerei als eine wirklich gute Entscheidungshilfe, um die optimalen Pflege zu finden.

Cruelty free Gütesiegel

Es gibt mehrere Zertifizieruzngsstellen Cruelty free Kosmetik Labels vergeben. Darunter das Cruelty Free Häschen der Tierschutzorganisation von PETA, dem Hasen mit schützender Hand vom Deutschen Tierschutzbund und dem „Leaping Bunny“ (dem springenden Häschen) von der ECEAE (European Coalition to End Animal Experiments). Wie auch bei den Naturkosmetik Siegeln werden die Kriterien unterschiedlich streng ausgelegt.

Was sagen uns diese „Gütesiegel“? Cruelty free steht übersetzt für „frei von Grausamkeit“ und soll dem Verbraucher zeigen, dass er Kosmetikprodukte ohne Tierversuche kauft. Im Allgemeinen wird „Cruelty free beauty“ jedoch mit „tierleidfreier“ Kosmetik übersetzt.

Seit 2009 sind Tierversuche für kosmetische Produkte und Rohstoffe in der Europäischen Union verboten.

Dennoch haben diese Siegel einen großen Zulauf. Vegane Kosmetikprodukte sind voll im Trend, wobei „Cruelty free“ nicht unbedingt vegan bedeuten muss. Hier sollte man sich die Kriterien der Vergabestellen genauer ansehen.

Tierversuche für Kosmetikprodukte sind jedoch noch immer an der Tagesordnung. Wer auf dem chinesischen Markt Kosmetikprodukte verkaufen möchte, muss Tierversuche durchführen, um überhaupt eine Verkaufsgenehmigung zu erhalten. Aus diesem Grund geraten große multinationale Konzerne immer wieder ins Fadenkreuz der Tierschützer. Sie fordern Verbraucher auf, diese Großkonzerne zu boykottieren und stattdessen bei Unternehmen mit Cruelty Free Siegel zu kaufen.

Cruelty Free Siegel und Clean Beauty günstiger als Naturkosmetiksiegel 

Gerade für kleine Kosmetikfirmen und Nischenanbieter stellt der Kostenfaktor für ein Naturkosmetik-Siegel wie Natrue eine immense Hürde dar. Um überhaupt ein „Gütesiegel“ zu erhalten, greift man gern zur kostengünstigen Variante eines Cruelty Free Siegels. Oder noch besser, man spart sich auch das und tritt der Clean Beauty Bewegung bei indem man auf allerlei „frei von…“ Claims setzt. Doch leider wird hier allzu häufig das Halbwissen der Kunden ausgenutzt, um die eigenen Produkte an den Mann und die Frau zu bringen.

Noch eine letzte Anmerkung zur „Cruelty free“ Thematik: Ein Produkt kann durchaus so hergestellt worden sein, dass kein Tier zu Schaden gekommen ist. Wie „grausam“ sind jedoch Rodungen für Kokosplantagen oder die Verarmung von Kokos Bauern? Mehr dazu in diesem Artikel. 

Fazit: Um eine gute Kaufentscheidung treffen zu können sollte man sich ausschließlich auf Gütesiegel verlassen und noch weniger auf die Werbeaussagen der Hersteller. Es ist wirklich wichtig, sich gut über kosmetische Inhaltsstoffe und deren Qualität zu informieren.

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