Seife oder Desinfektionsmittel? | SLOW BEAUTY
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Seife oder Desinfektionsmittel?

Muss man die Hände, besonders in Zeiten von Corona desinfizieren oder reicht Händewaschen mit Seife? Kann man Desinfektionsmittel zu Hause selbst herstellen und macht das überhaupt einen Sinn? Welche Arten von Seife gibt es und welche Seife kann ich selbst herstellen? Was ist Hygienischer, ein Stück Seife oder Flüssigseife im Pumpspender? Alle diese Fragen kläre ich in der 19. Folge des Beauty Dschungel Podcast.

Muss man die Hände, besonders in Zeiten von Corona desinfizieren oder reicht Händewaschen mit Seife?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt die Händedesinfektion nur in Ausnahmefällen, wenn man mit potenziell infizierten Personen in Kontakt kommt oder in einem entsprechenden Umfeld wie Alten- oder Krankenpflege arbeitet.

Dann sollte man aber die Hände auch mit einem entsprechend zugelassenen Desinfektionsmittel behandeln. Selbst hergestellte „Sanitizer“ oder Handdesinfektionsmittel mit Aloe Vera oder ähnliches sind wenig hilfreich gegen Covid-19. Deshalb empfiehlt die WHO eine Rezeptur die ausschließlich aus Alkohol (Ethanol oder Isopropanol) Wasserstoffperoxid (3%ig) und Glycerin besteht. Hier geht es zum WHO Rezept

Wer sich ein klitzekleines bisschen mit den Rohstoffen auskennt weiß, dass dies die Haut stark belastet und reizt, besonders, wenn man es mehrmals täglich verwenden muss. Es wird auch gewarnt, dass man bei der Herstellung von Desinfektionsmittel nach WHO Rezept brennbare Flüssigkeiten lagern und verarbeiten muss.

Sehr viel hautschonender und natürlich gefahrlos ist dagegen das Händewaschen mit Seife. Ordentliches und regelmäßiges Händewaschen schützt uns im privaten Umfeld ebenso gut vor Infektionen wie eine Handdesinfektion.

Was ist beim hygienischen Händewaschen mit Seife zu beachten?

Wichtig ist die Dauer des Händewaschens. Man sollte mindestens 20 Sekunden lang waschen und inzwischen hat sich auch herumgesprochen, dass das ungefähr so lang ist, wie zweimal Happy Birthday zu singen.

Dann sollte man die Hände von allen Seiten gründlich waschen, auch die Fingerzwischenräume, Handrücken und die Fingernägel, indem man die Fingerspitzen in der Handinnenfläche hin und her dreht.

Braucht man eine spezielle antibakterielle Seife?

Antibakterielle Seifen sind meiner Meinung nach ein Marketing-Gag. Die Ängste der Verbraucher werden hier ausgenutzt. Eine normale 08/15 Seife entfernt Schmutz und Erreger genauso gut wie eine sogenannte Hygiene Seife, sofern man sich eben ordentlich die Hände wäscht.

Wenn es egal ist, mit was ich mir die Hände wasche, dann kann ich doch auch gleich auf ein natürliches und Hautschonendes Produkt zurückgreifen, oder? Und wer Lust hat und noch genügend Fette übrig hat, der kann seine Seife auch relativ einfach selbst machen.

Was ist Naturseife?

Natürliche Seife besteht aus natürlichen Fetten pflanzlichen oder tierischen Ursprungs. Beim Verseifungsprozess werden die Fettsäuren der verwendeten Fette mit Natron- oder Kalilauge verseift. Am Ende des Verseifungsprozesses sind die Fettsäuren dann in Salze der Fettsäuren umgewandelt und haben reinigende Wirkung, sie sind „waschaktiv“.

Als Beispiel: Olivenöl hätte in einem Kosmetikprodukt den INCI Namen Olea Europaea Fruit Oil. Nach der Verseifung ist das dann Sodium Olivate, wenn mit Natronlauge verseift wurde oder Potassium Olivate, wenn mit Kalilauge verseift wurde. Es handelt sich also um das Natrium- oder Kaliumsalz des Olivenöls.

Kann ich Seife selber herstellen?

Natürlich kann jeder auch Seife selber herstellen, das ist sogar recht einfach, allerdings nicht ganz ungefährlich. Beim Hantieren mit Natron- oder Kalilauge besteht die Gefahr einer schweren Verätzung. Das ist also absolut nichts für Kinder. Wenn man aber einige Sicherheitsregeln beachtet, kann ein gesunder erwachsener Mensch der im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten ist auf jeden Fall Seife selber sieden.

Wenn man Öle, die man verseifen möchte mit der entsprechenden Menge Natronlauge vermischt, wird immer Seife daraus. Möchte ich die Wascheigenschaften, die Festigkeit und die Schaumbildung bestimmen, erreicht man dies, indem man bestimmte Öle und Buttern miteinander kombiniert.

Verseifungszahl und Überfettung

Jedes Fett, Öl und jede Pflanzenbutter hat eine bestimmte Verseifungszahl. Sie ist für uns der Hinweis, wie viel NaOH (in Wasser gelöst als Lauge) man benötigt, um das Fett zu verseifen. Im Internet gibt es dazu sogenannte „Seifenrechner“, das sind kleine Programme, bei denen die Verseifungszahl bereits hinterlegt ist und mit deren Hilfe man herausfinden kann wie viel Lauge man für die jeweilige Fettmischung benötigt.

Wer selbst Seife herstellt, sollte seine Seife immer überfetten. Das bedeutet, es wird nicht das ganze Fett verseift, es bleibt unverseiftes Fett in der Seife zurück. Die Seife ist dadurch „rückfettend“ und besser hautverträglich. Meist wird eine Überfettung zwischen 8-15% gewählt. Das finde ich persönlich auch als sehr angenehm.

Bei meiner Freundin Sophia Wagner von Seifen-Tutorials.de kannst Du einen Seifen-Onlinekurs belegen, wenn Du vom Profi lernen möchtest wie Du Seife selber machen kannst. Sophia hat inzwischen auch die Seifenmanufaktur www.muenchner-waschkultur.de gegründet. Dort bestelle ich meine Seifen, weil die einfach viel schöner sind als meine eigenen. Meine Lieblingsseife ist die „Monaco“ Seife, weil ich den milden Peeling-Effekt liebe und weil sie ganz zauberhaft nach Minze duftet. Das ist Herzenswerbung vom Feinsten!

Welchen pH-Wert hat Seife?

Seife hat einen natürlichen pH-Wert von 9-11, während die Haut einen pH-Wert von 4,5 bis 6,5 hat. Seife ist also alkalisch. Dadurch haben Keime wie Bakterien, Hefen und Schimmel, die unseren Kosmetikprodukten Probleme bereiten können keine Chance. Allerdings kann der hohe pH-Wert den Säureschutzmantel der Haut aus dem Gleichgewicht bringen, vor allem dann, wenn wir unsere Hände besonders häufig waschen.

Wasser hat einen pH-Wert von 7. Beim Waschen wird der pH-Wert also schon ein wenig gesenkt. Eine gesunde Haut kann den pH-Wert in kürzerer Zeit wieder auf den Normalwert senken. Bei Ekzemen und Hautbarrierestörungen kann dies aber auch mehrere Stunden dauern.

Cremt man die Hände mit einer leicht sauren Handcreme nach dem Waschen ein, kann man die Haut unterstützen den pH-Wert schneller wieder zu regulieren. Bei Hautproblemen sollte man am besten erste zum Arzt gehen.

Kann ich auch Seife ohne Lauge herstellen?

Es gibt auch einfache Rohseifen auf Glyzeerinbasis, auch Melt and Pour Seife genannt, die ganz einfach zu handhaben sind. Man muss diese Glyzerinseife einfach nur schmelzen und in eine Form gießen. Man kann sie außerdem beduften und färben. Diese Seifen sind ein schönes Mitbringsel und eine tolle Beschäftigung für DIYs mit Kindern.

Wie ist es mit Flüssigseife?

Es gibt zwei Arten von Flüssigseife. Man kann Flüssigseife aus Naturseife herstellen, so macht es meine liebe Freundin Anna Mertens. Bei ihr kann man natürliche Flüssigseife, zum Beispiel aus Olivenöl kaufen 

Es gibt aber auch Flüssigseifen aus Tensiden, das sind waschaktive Substanzen die wie Seife einen hohen pH-Wert haben. Auch bei den Tensiden gibt es große Unterschiede. Es gibt ein Spektrum von milden natürlichen Tensiden bis hin zu harschen, reizenden, künstlichen Syndets. Diese können entsprechend mild zur Haut sein, oder auch die Haut stark reizen.

Bei flüssigen Handseifen ist es möglich, den pH-Wert auf einen hautfreundlichen Wert einzustellen beziehungsweise zu senken. Allerdings ist hier zu beachten, dass eine Flüssigseife mit hautfreundlichem pH-Wert immer ein Konservierungsmittel hinzugefügt werden muss. Das gilt natürlich auch für selbstgemachte Handseife.

Was ist hygienischer: Seife am Stück oder Flüssigseife im Spender?

Noch ein letztes Wort zum Thema Seifenstück oder Spender. Es wird oft empfohlen aus hygienischen Gründen Seifenspender einem Seifenstück vorzuziehen. Ich bin der Meinung, da kommt es sehr auf die jeweilige Sauberkeit an. Während sich auf einem versifften Seifenspender Keime ungehindert vermehren können, ist das auf dem Seifenstück nicht möglich. Allerdings habe ich selbst auch gewisse Hemmungen zu einem Seifenstück zu greifen, das offensichtlich schon länger im eigenen Saft gart, also wenn das Wasser nicht aus der Seifenschale abfließen kann.

Aber egal, ob Stück oder Spender, das aller wichtigste ist sich die Hände mit reichlich Seife gründlich und mindestens 20 Sekunden lang zu waschen. Ein Desinfektionsmittel ist wirklich nur dann notwendig, wenn man unterwegs ist und überhaupt keine Möglichkeit hat sich gründlich die Hände zu waschen.

Was ist Deine Meinung zu Seife und Desinfektionsmittel? Schreibe es mir in die Kommentare!

 

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