Natürliche innovative Rohstoffe | SLOW BEAUTY
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Innometics – dahinter verbirgt sich ein Kosmetik-Rohstoffhandel in Österreich, den Katharina und Christian im April dieses Jahr eröffnet haben. Sie haben sich bei einem Kurs am Wirtschaftsförderungsinstitut in Wien kennengelernt, beim Lehrgang zum geprüften Kosmetikhersteller. Christian war hier Dozent, Katharina Teilnehmerin. Sie blieben danach in Kontakt – bis Katharina irgendwann vorschlug: „Lass uns einen Rohstoffhandel gründen“. So entstand die Idee zum Online-Shop, in dem aktuell zahlreiche Zutaten und Selbstrührsets für Einsteiger und Profis erhältlich sind. Aktuell sind alle für Naturkosmetik geeignet.

Unser Video zum Interview:

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Wie seid ihr zu diesem Thema gekommen?

Katharina: Ich habe mit selbstgerührten, aluminiumfreien Deos angefangen für mich selbst. Die ersten Ergebnisse beim Selberrühren waren sehr erfolgreich und ich war Feuer und Flamme. Ich habe beschlossen, dass ich mich in der Kosmetikherstellung selbstständig machen will, was jedoch in Österreich schwierig ist und damals ein reglementiertes Gewerbe war. Das heißt, man benötigt ein Befähigungszeugnis. Dazu besucht man einen Lehrgang zum geprüften Kosmetikhersteller, der aufgrund der hohen Nachfrage von Selbstrührern von der Innung des Chemischen Gewerbes und der Wirtschaftskammer angeboten wird.

Ich habe damals grade so die Investitionskosten für meine festen Deos und Cremes reinbekommen, es ist schon sehr schwierig, davon zu leben.

Wie ist das mit der Raumsuche zur Herstellung? Gibt es da Möglichkeiten in Österreich?

Katharina: Es ist möglich, dass du auch zuhause rührst und abfüllst. Du musst eben Reinigungs- und Abfüllprotokolle führen. Es gibt in der Klein-Rührer-Szene aber auch Shared-Offices – hier werden Synergien genutzt. Grade am Anfang kann man sich beispielsweise ein Labor teilen, da man es nicht 7 Tage die Woche braucht. Lohnherstellung war für mich nie ein Thema, da ich von Anfang bis Ende das Produkt begleiten wollte. Es ist ein großer Aufwand, bevor man starten kann. Man muss als Kleinstunternehmer die gleichen Auflagen erfüllen wie eine große Firma.

Christian: In Deutschland gibt es einen solchen Kurs nicht. Es waren schon deutsche Kunden bei uns und sehr zufrieden. Es gilt zwar ein EU-weites Kosmetikrecht, jedoch sind die Vorschriften für Firmengründungen in Deutschland wieder etwas anderes.
Der Kurs dauert ein halbes Jahr und man lernt alles, was man zur Selbstständigkeit braucht. GMB, welche Hygienevorschriften und Auflagen muss man erfüllen beim Raum und beim Produkt selbst. Was darf man für Naturkosmetik verwenden und was nicht. Sicherheitsbewertung, Deklaration – es ist viel und vielen ist das nicht bewusst. Sie kommen guter Dinge in den Kurs und sind dann erstmal etwas entmutigt. Man soll es nicht unterschätzen, aber es ist möglich, wenn man dranbleibt. Es wird Rohstoffkunde gelehrt, es gibt Rührpraxis, Chemie – das kann einen schon erschlagen, aber man bekommt einen umfangreichen Einblick in alle Bereiche.

Ich selbst habe nicht studiert, habe mir alles autodidaktisch beigebracht und bin als Selbstrührer gestartet. Allerdings habe ich schon als Kind immer irgendwelche Spülmittel und Cremes zusammengemischt. 2014 habe ich meinen ersten Rohstoffshop entdeckt und habe richtig losgelegt. Dann war ich in Foren unterwegs wie im Olio-Natura-Forum von Heike Keser. Dann habe ich meinen früheren Arbeitgeber und Gründer des Kosmetikkurses kennen gelernt. Beim Start hatte ich einfach schon viel Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von Kosmetik, hatte eine kleine Kosmetikfirma. So habe ich alles kennen gelernt und mich natürlich auch immer weitergebildet.

Was ist die Faszination bei einem Rohstoffhandel?

Christian: Das wollte ich schon lange machen. Ich formuliere gern, war Entwickler in einer Kosmetikfirma und bin ein richtiger „Rohstoffjunkie“. Ich will alle Rohstoffe haben und testen, ich will sie gesehen und auf Haut und Haar gespürt haben und alles ausprobieren. Ich bin fasziniert davon, etwas damit zu kreieren. Und mich interessiert der chemische Aspekt.

Wie entscheidet ihr, was in den Shop aufgenommen wird? Wer hat die Ideen, wer wählt aus?

Katharina: Wir haben eine Liste erstellt mit Stoffen, die wir aus der Praxis kennen und unsere Favourites sind. Allerdings mussten wir diese Liste schon mehrfach kürzen. Es ist auch immer eine Preisfrage. Und die Stoffe müssen Kriterien erfüllen: sie sollen multifunktional sein, müssen funktionieren. Die Stoffe sollen schonend produziert sein, naturkosmetikkonform, naturnah, und wir schauen, wo sie herkommen: ist es gut für Haut und Umwelt?

Ich habe 2 Formulierungen mit Lauryglucosid hergestellt für ein mildes Reinigungsgel. Einmal mit Sodiumcocosulfat und eine mit Plantapon SF. Mit dem Sulfat wurde es eine dicke Paste, mit dem Plantapon total flüssig. Was habe ich falsch gemacht?

Christian: Plantapon SF ist eine milde Tensidmischung, in der auch Laurylglucosid drin ist. Sie ist für Kinderprodukte geeignet. Es ist generell schwer anzudicken, der PH-Wert ist dabei immer sehr wichtig wie bei allen Tensidmischungen. Die Formulierungen sind bei einem PH-Wert von 5,2 am dicksten.
Cocosulfat ist gut zu verdicken wie alle Sulfate. Und da Lauryglucosid die pastöse Konsistenz schon mitbringt, wird es richtig dick. Beides kann man durch den PH-Wert andicken, aber auch durch Kochsalz. Vor allem die anionischen Tenside und Sulfate. Beduften kann man diese dann mit ätherischem Zitrus- oder Orangenöl – das klappt gut. Mit Lavendel geht es nicht, da wird alles sofort dünnflüssig. Generell ist die Kombi von Laurylglucosid und Cocosulfat eine gute.

Ok, da muss ich nochmal an die Dosierung gehen. Und die ätherischen Öle hatte ich nicht bedacht.
Wenn wir bei den Tensiden bleiben: Sodium-Cocoyl-Glutamat – was ist das für ein Tensid und wo ist es einzuordnen? Ist es mild und für Babypflege geeignet? Wir suchen ein Tensid für die Gesichtsreinigung, das nicht in den Augen brennt.

Christian: Ob es brennt, hab ich noch nicht ausprobiert, würd ich auch nicht. Denn Tenside reizen auch eher. Der Stoff kommt von der Glutaminsäure, einer Aminosäure, die in der Haut vorkommt. Sie ist hautnah, gut waschend und schäumend, aber nochmal weit weg von Sulfaten. Ich kombiniere auch Minolglucosid; bei Haaren eher nicht, aber für das Gesicht das Mittel der Wahl. Sooo gründlich reinigen muss man das Gesicht ja nicht, es reicht auch für fettige Haut. Da braucht man keine Sulfate. Es ist mild, hinterlässt einen sanften Film auf der Haut, hat einen cremigen Schaum und perfekt für die Gesichtsreinigung. Etwas ähnliches gibt es auch in Pulverform: das Alarylglutamat. Bad- oder Waschpuder werden immer beliebter. Man streut es in die Hand und schäumt es mit Wasser auf.

Es gab noch eine Frage aus der Community: eine Kundin hat eine reine fettbasierte feste Handcreme gerührt und wollte Vitamin E als Antioxidans hinzufügen. Der Rohstoffhandel hat ihr gesagt, dass Vitamin E nur in Rezepten funktioniert, die sowohl Fett als auch Wasser enthalten. Das klingt für mich komisch…

Ja, das ist auch falsch. Vitamin E ist sehr wohl fettlöslich und gut geeignet für rein fettbasierte Produkte wie Öle, Bodybars und Lippenstifte. Sie werden damit stabilisiert und vor dem Ranzigwerden geschützt. Es kommt immer darauf an, wie viel Luft das Produkt ausgesetzt ist – je mehr, desto mehr oxidiert es. Allerdings ist zu beachten, dass einige Antioxidantien in Emulsionen mit Wasser anders wirken als in rein fettbasierten Formulierungen. Man darf hier nicht zu viel nehmen, sonst passiert genau das Gegenteil: das Produkt oxidiert schneller. Ich empfehle 0,5 Prozent des Fettanteils. Zusammen mit Rosmarin-Extrakt wird die Wirkung ausbalanciert.

Mischungen können auch gekauft werden, so dass man das Vitamin E nicht überdosieren kann. Welche für Emulsionen und welche für Öle. Damit kann man auch zu Hause gelagerte Öle stabilisieren.

Was gibt es aktuell bei Innometics zu kaufen?

Katharina: Wir bieten eine breite Palette an, aber auch stark in die Tiefe gehend. Wir haben nette Emulgatoren, Feuchterhaltemittel, Konservierungsstoffe und Tenside.

Wir bieten Beratung für Kleinstunternehmer, bei Rezept- und Produktentwicklung. Wir haben Kunden zwischen 18 und 70 Jahren, die Einsteiger sind oder auch schon Profis – die selbst schon Rohstoffjunkies sind oder auch solche, die mit einem Set beginnen. Da gibt es eines für feste Shampoos und Duschbäder für weniger Plastik, mit Rezeptbuch und leichten Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Das nächste Set ist etwas komplexer und geht um die Hautpflege. Es ist eine Bodylotion enthalten, eine Schutzcreme, Hyaloronserum und Gesichtspflege. Man arbeitet hier einfach mit sehr hochwertigen Stoffen, die in selbst in teuren Cremes nicht unbedingt enthalten sind.
Hier ist jonglieren erlaubt, man kann nach Bedarf ab und zu geben, wenn man eher trockene oder fettige Haut hat. Man bekommt hier 11 Produkte raus, also nicht alles nur einmal.

Es gibt zudem ein Haushaltsset. Es braucht nicht so viele unterschiedliche bunte Plastikbehälter. Die Großeltern haben früher sicher sauberer Geschirr gespült als ich. Es gab 4 bis 5 Basiszutaten, mit denen gearbeitet wurde. Auch im Set ist das so. Zusätzlich gibt es ein Ebook mit Anleitungen. Enthalten sind Rezepte für Geschirrspültabs, Spülmittel, Glas- und Sanitärreiniger und Toilettenreinigertabs – mein Favorit. Grade bei dem Haushaltsset kann man nicht viel falsch machen.

Übrige ätherische Öle kann man auch für Reinigungsprodukte verwenden, bevor sie ablaufen…

Christian: Ja genau, Orangenöl eignet sich außerdem sehr gut zum Fettlösen, Lemongras ist gut gegen Schimmel.

Was ist eure Zukunftsvision?

Wir möchten Wirkstoffe wie Hyaloronsäure aufnehmen, Stoffe zur Hautberuhigung und Antiaging. Hier wird es evtl. nicht mehr naturkosmetikkonform mit Harnstoff, Panthenol und Allantoin.
Ich möchte eine funktionierende Haarpflege wie einen Conditioner haben. Zudem sind noch ein, zwei Sets in Planung, die jedoch noch nicht feststehen.

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