Kräuter erkennen und in der (Rühr-) Küche nutzen | SLOW BEAUTY
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Kräuter erkennen und in der (Rühr-) Küche nutzen

Beauty Dschungel Podcast by Martina Gräf klein

Die Kräuterpädagogin Valerie Jarolim von Blatt und Dorn ist zu Gast im Beauty Dschungel Podcast: Wir sprechen über die wichtigsten Kräuter für unseren Garten und wie wir Kräuter in unserer Küche nutzen können. Außerdem verrät uns Valerie einige sehr schöne Last-Minute Geschenke mit Kräutern, die wir selber machen und zu Weihnachten verschenken können. 

Valerie jarolim Blatt nd Dorn Kräuterpädagogin

Foto: Felber Spulak Photo

 

Valerie, wie bist du zu den Kräutern gekommen?

Kräuter haben mich schon in meiner Kindheit begleitet. Meine Oma konnte jedes Kraut bestimmen und mein Opa hat mir nahe gebracht, Wildkräuter als magische Wesen zu betrachten.

Ich habe in Wien Agrarwissenschaften studiert und das war wirklich sehr schön. Ich habe mich auf die Biolandwirtschaft spezialisiert und da bin ich natürlich sehr viel mit Pflanzenkunde und auch mit den „Unkräutern“ in Berührung gekommen, die man in der Landwirtschaft natürlich eigentlich nicht haben mag, zumindest in der konventionellen Landwirtschaft.

Mich hat aber sehr interessiert, wieso man bekämpft was aus der Natur kommt. Gerade Wildkräuter waren früher die Lebensgrundlage der Menschen und sie wurden natürlich auch als Medizin genutzt. Und so habe ich dann im Anschluss an mein Studium eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht. Darüber bin ich auch zu Naturkosmetik gekommen, wo wir ja die Kräuter wunderbar einschummeln können.

Du sagt, Du hast den Ruf der Natur verspürt und bist wieder „aufs Land“ gezogen. Bist Du dort auch aufgewachsen?

Ja ich lebe jetzt wieder in dem Ort, in dem ich meine Kindheit verbracht habe. Es war zwar auch schön in der Stadt aber ich fühlte mich nicht authentisch mit den Inhalten, die ich in meinen Kursen vermittle, auch wenn ich auf einer gemieteten Parzelle mein Gemüse angebaut habe, war das aufgrund der großen Entfernungen nicht ganz einfach.

Was wären denn für Dich die wichtigsten (Wild-) Kräuter die in keinem Garten fehlen dürfen?

Man kann Wildkräuter auch anbauen, aber da ist viel Versuch und Irrtum involviert, wobei man inzwischen auch schon Wildkräutersamen kaufen kann.

Was für mich auf keinen Fall fehlen darf, ist die Brennnessel: Eine Heil- und Gemüsepflanze die man vielfältig für Suppen Entgiftungstees verwenden kann.

Foto: Valerie Jarolim

 

Foto: Valerie Jarolim

Ringelblume ist eigentlich eine Kulturpflanze, ein Schatz für die Haut aber auch für Tees. Man kann alles von ihr verwenden, wobei die Blüten die Wirkung beinhalten. Sie ist einfach anzubauen, einfach im Topf auf dem Balkon einpflanzen und den Samen kann man jedes Jahr aufs neue sammeln und wieder nutzen

 

 

Foto: Valerie Jarolim

Gundelrebe eine ganz unscheinbare Kriechpflanze. Sie wird als Tee verwendet, hat einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, Bitterstoffen und Gerbstoffen, schmeckt gut und wurde früher auch zum Bierbrauen und in der Almdudler Limonade verwendet. Die Blätter kann man auch in Schokolade tauchen, dann hat man so eine Art „Wiesen After-Eight“.

 

 

 

Und eigentlich dürfen das Gänseblümchen und der Giersch und der Bärlauch auch nicht fehlen 🙂

Wie kann ich diese Kräuter dann zu Hause einpflanzen, könnte man da Samen beziehen?

Die meisten müsste man wohl wild sammeln, indem man eine Pflanze ausgräbt und zu Hause wieder eingräbt. Die Gundelrebe habe ich aber auch schon im Handel in kleinen Töpfen gesehen. Giersch ist sehr hartnäckig, viele wollen ihn aus dem Garten loswerden aber es ist ein ganz tolles Kraut, das sehr gut schmeckt.

Genial! Man kann die Kräuter selbst kostenlos sammeln, es ist nachhaltig (sofern man auch einen Teil der Pflanze am Standort zurück lässt, sodass sie weiter wachsen kann) und es schmeckt auch nicht.

Du gibst ja nicht nur Kräuterkurse, wie ist es mit der Naturkosmetik?

Ich mache ganz verschiedene Naturkosmetik Kurse. Einer davon ist Naturkosmetik von Kopf bis Fuß. Da mache ich von Shampoobar über Zahnpasta bis hin zu Deo- und Gesichtscreme Produkte, die man im Alltag braucht und die helfen einiges an Plastikmüll einzusparen. Müllfrei kann man zwar so gut wie nichts produzieren aber ich möchte zeigen wie man auf viele Plastikverpackungen verzichten kann. Die Seifensieden-Workshops sind gerade sehr beliebt, da ist die Nachfrage sehr groß. Einfach weil es so ergiebig ist und man mit 1-2 kg pro Jahr seinen Körper, die Haare und sogar die Wäsche fast ein ganzes Jahr lang waschen kann. Das ist schon eine super Gelegenheit um etwas nachhaltiger zu leben.

Ich selbst nutze seit 4-5 Jahren nur noch selbstgemachte Produkte und es ist einfach schön, wenn man das weitergeben kann. Ich arbeite viel mit Sonnentor zusammen, das ist eine schöne Kooperation, die durch eine Kursteilnehmerin entstanden ist. Sonnentor produziert selbst Biokräuter, Biotees, Biogewürze und hat mehrere Standorte in Österreich.

Du schreibst ja auch sehr viele Artikel für die Bergwelten und gerade bist Du erst wieder mit einem Artikel in der Carpe Diem. Wann bekommen wir ein Buch von Dir?

Erwischt! Es ist nicht ausgeschlossen, das ist schon ein Traum von mir. Genaueres kann man aber noch nicht sagen.

Machst Du Weihnachtsgeschenke selbst?

Weihnachten ist inzwischen bei uns sehr reduziert. Aber wenn ich etwas schenke, soll es für mich selbstgemacht und nachhaltig sein. Ich mache beispielsweise

  • Badesalz:

Aus einem naturbelassenen Natursalz, das vermische ich mir Kräutern und Blüten, die ich zu Hause selbst getrocknet habe und vermische das dann mit einigen tropfen ätherischen Ölen und mit ein bis zwei EL Olivenöl. Das kann man dann speziell als Entspannungsbadesalz mit Lavendel herstellen oder als Erkältungsbadesalz mit Thymian und Salbei. Ich stehe im Moment sehr auf ätherisches Weißtannenöl, das ist auch sehr schön im Badesalz

  • Peeling:

Mit Zucker oder Salz für den mechanischen Peelingeffekt vermischt mit ungefähr der gleichen Menge an Kokosöl, ein wenige ätherische Öle und fertig. Am besten natürlich mit Biozutaten.

  • Räuchermischung:

Verschenke ich auch sehr gerne aus getrockneten Kräutern und Gewürzen. Was man in der Weihnachtszeit sicher zu Hause hat, ist Zimt und Nelken, vielleicht noch etwas Kardamom oder trockene Orangenschalen die man einfach auf der Heizung trocknet. Das kann man alles vermischen und dann als Räuchermischung für Räucherstövchen verschenken.

Und: Man kann auch die Nadeln vom Tannenbaum räuchern! Sozusagen als Weihnachtsbaum Upcycling

  • Wärmendes Körperöl

Ganz nach Gefühl Chili, Ingwer, Zimt, Nelken und Vanille legt man in Olivenöl ein und lässt es eine Weile ziehen oder man macht einen Warmauszug im warmen Wasserbad und lässt es ein paar Stunden ziehen. Das wärmt sehr schön, zum Beispiel auch kalte Füße (!) und duftet sehr gut!

Was vermittelst Du in Deinem Heilkräuter Onlinekurs?

Ich stelle 20 Kräuter detailliert vor und auch wie man Kräuter verarbeitet. Es geht nicht darum alle Kräuter, die es gibt zu kennen, sondern ein paar davon die man auch nicht so leicht verwechseln kann einmal wirklich mal ins Leben zu integrieren. Es reichen schon einige wenige für die Ernährung, die Kosmetik und die Gesundheit, die schon einiges verändern können.

Wie ist es denn mit der Verwechslungsgefahr?

Da gibt es natürlich eine gewisse Hemmschwelle, aber wenn man sich mit den Kräutern vertraut macht und eben nur wenige in seinen Alltag integriert verliert man ein bisschen von dieser Hemmschwelle. Natürlich muss man sich auch genau damit befassen und das Kraut genau betrachten und der Großteil unserer heimischen Pflanzen sind genießbar. Aber es gibt natürlich auch einige, die man auf keinen Fall zu sich nehmen darf, weil sie tatsächlich tödlich sein können. Wenn wir mit wenigen anfangen wie mit der Brennnessel, Löwenzahn und Gänseblümchen und diese mal über das Jahr genau betrachten dann werden wir immer sicherer.

Vielen Dank liebe Valerie für das geniale Interview!

 

Du findest Valerie auf ihrer Seite bei www.blattunddorn.at und in den sozialen Medien

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