Wenn Du hier auf dieser Seite gelandet bist, dann hast Du Dir also auch schon mal Gedanken über Zero Waste Kosmetik gemacht und über den Müll, welchen wir durch unseren Kosmetikkonsum produzieren. Das finde ich toll! Wir werden immer mehr! Jetzt hat dieser Trend ja erst vor ganz wenigen Jahren überhaupt den Zugang zu einer breiten Masse gefunden. Dementsprechend stehen wir tatsächlich noch ganz am Anfang der Reise. Und es ist ein wirklich weites Feld das wir hier beackern müssen, es geht ja schließlich um weit mehr als um die Produktverpackung unserer Kosmetikprodukte. In diesem Blogbeitrag habe ich einmal meine Gedanken zum Thema Zero Waste Kosmetik gesammelt.

Zunächst denkt man ja erst einmal nur an die Umverpackung kosmetischer Produkte, wie man sie im Einzelhandel kauft. Eigentlich müsste man doch aber noch sehr viel weiter gehen, denn Zero Waste Kosmetik bedeutet doch noch viel mehr.

Was bedeutet Zero Waste Kosmetik?

Was Kosmetik ist wissen wir schon 🙂 Aber was bedeutet Zero Waste? Die Zero Waste International Alliance definiert Zero Waste wie folgt:

„Zero Waste ist ein ethisches, ökonomisches, effizientes und visionäres Ziel, das Menschen dazu bringt, ihre Lebensstile und Praktiken so zu verändern, dass sie nachhaltigen natürlichen Zyklen nacheifern, in denen alle ausrangierten Materialien dazu dienen, Ressourcen für andere zu werden.

Zero Waste bedeutet, Produkte und Prozesse so zu konzipieren und zu verwalten, dass das Volumen und die Toxizität von Abfällen und Materialien systematisch vermieden und beseitigt werden, alle Ressourcen geschont und zurückgewonnen werden und nicht verbrannt oder vergraben werden. Ein wichtiger Bestandteil ist hier die Vermeidung von Einwegplastikverpackungen und die Verwendung biologisch abbaubarer Produkte.

Durch die Implementierung von Zero Waste werden alle Absonderungen zu Land, Wasser oder Luft, die eine Gefahr für die planetarische, menschliche, tierische oder pflanzliche Gesundheit darstellen, eliminiert.“

Quelle: Wikipedia

Natürlich ist es ein hehres Ziel dies zu erreichen. Allerdings denken die meisten nur an die Produktverpackung und da enden die Überlegungen meist auch schon. Ich möchte Dich mal dazu einladen weiter zu denken und selbst herauszufinden, wo jeder von uns in seinem Bereich noch einen Schritt weiter gehen kann und wo wir unsere Ziele ZUNÄCHST noch einmal ein wenig herunter schrauben müssen.

Wie viele verschiedne Kosmetikprodukte benutze ich bzw. habe ich in meinem Bad stehen?

Ich habe vor vielen Jahren meinen Konsum von Kosmetikprodukten drastisch reduziert, als ich angefangen habe, die Kosmetikprodukte für mich uns meine Familie selbst herzustellen. Inzwischen verzichten wir beispielsweise auf Duschgel, denn unser Shampoo reinigt auch die „kritischen Stellen“ am Körper auf eine milde Art und Weise. Was meiner Meinung nach (ich hasse ja eigentlich den erhobenen Finger, aber in dem Fall kann ich nicht anders) überhaupt nicht geht sind flüssige Handseifen, oder noch schlimmer, diese elektrischen Seifenspender mit Desinfektionsseife *augenroll*. Sorry, aber der Sinn beim Hände Waschen dann auch noch einen Ständer mit Batterie zu benutzen erschließt sich mir nicht. Und echt jetzt, ist man öfter krank, weil man seine Hände mit einfacher (oder vielleicht auch sehr kunstvoller) selbst gesiedeter Seife wäscht anstatt das „no touch“ Desinfektionszeug zu verwenden? Nie im Leben! Im Gegenteil, die Haut an unseren Händen würde sich wohl am liebsten drucken wenn’s mal wieder los geht. Sei lieb zu Deiner Hautflora, wir brauchen die guten Bakterien auf unserer Haut!

Auf was könnte ich verzichten?

Ein Fakt aus dem Nähkästchen meiner Familie: Meine Kinder (derzeit 7 und 9) benutzen genau 4 Kosmetikprodukte – selbst gemachtes Shampoo, Handseife und Zahnpasta und natürlich hin und wieder die eine oder andere Badebombe. Ok, im Sommer kommt noch Sonnencreme dazu. Warum nur die? Ihr könnt versichert sein, dass ich auf die Hautgesundheit meiner Kinder sehr viel Wert lege. Aber sie haben keine Probleme, die Haut ist super gesund. Warum denn noch zusätzlich etwas drauf schmieren? Gut, bei ganz viel Chlorwasser kann hin und wieder mal ne Bodylotion zum Einsatz kommen. Aber mehr braucht es doch nun wirklich auch nicht! So und jetzt geh mal in der Drogerie um die Ecke an das Regal mit den Kinder- und Babyprodukten. Du wirst schwindelig! Für mich ein Indiz dafür, wie wir uns zum Konsum von unnötigen Kosmetikprodukten verführen lassen obwohl das meiste völlig, ich wiederhole VÖLLIG unnötig ist.

Wann ist zu viel zu viel?

Dazu muss ich noch etwas los werden. Es gibt Menschen die behaupten, man müsse regelmäßig die Kosmetikprodukte wechseln, wie beim Fruchtwechsel auf dem Acker. Hä? Also mein Interesse bei der Pflegekosmetik liegt neben der Reinigung darin, meine Haut und mein Haar zu stärken und zu schützen, möglichst mit ähnlichen Stoffen. Als ob sich die Zusammensetzung unserer Haut und des Talgs alle paar Monate ändern würde. Merkst Du was? Unnötig! Das meiste ist völlig unnötig und ich könnte wetten, dass wir die Hälfte unseres Kosmetikabfalls von vornherein vermeiden würden, wenn wir einfach mal auf alles unnötige verzichten würden. Das ist auch der Grund weshalb ich Menschen nicht ernst nehmen kann, die selbst mit Stolz ihre Abendroutine bestehend aus 9 unterschiedlichen Produkten in den sozialen Medien präsentieren. Denn das ist nicht nur unnötig sonder einfach zu viel für Die Haut.


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Wo kaufst Du Deine Produkte?

„Ach da gibt es einen ganz tollen Anbieter in Frankreich, der so tolle Shampoobars hat. Hab ich mir gleich mal zwei bestellt.“ Da stellt sich mir allerdings die Frage, inwieweit der Mehraufwand durch Produktverpackung und Transportumverpackung sowie der längere Transportweg die Vermeidung von Plastik rechtfertigt.

Thema Unverpackt Läden: ich bin der Meinung, dass der Verkauf von Kosmetikprodukten zum selbst abfüllen nicht Kosmetikverordnung konform ist. Die Gefahr durch Verkeimung ist einfach riesengroß durch diese Pump-Betälter. Gestern habe ich eine ganz gruselige Geschichte von einer lieben Bekannten gehört, der die Lymphknoten am Hals entfernt werden mussten, weil sie sich über die Haut ganz schlimme Keime zugezogen hatte. Diese hatten sich über die Jahre in den Köper hinein „gefressen“ und konnten nicht unschädlich gemacht werden. Und es gibt nachweislich einige Fälle bei denen Menschen ihr Augenlicht aufgrund von befallenen Kosmetikprodukten verloren haben. Gerade bei den Unverpackt-Läden müssen gewisse Standards eingeführt werden, die solche Dinge mit Sicherheit zuschließen. Denn was weiß der Endverbraucher schon davon, wie er sein Schraubglas ordentlich desinfiziert muss und seine Cremes möglichst nicht mit Fingern entnehmen sollte.

Können wir im Kosmetikbereich komplett auf Verpackungen verzichten?

Ich sage hier ganz klar: Nein! Zumindest derzeit nicht. Es gibt eine kleine Gruppe Menschen, die ihre Pflegeroutine dem für sie höheren Ziel „Müllvermeidung“ unterordnen. Hier werden hauptsächlich feste Produkte wie Seifen und Shampoobars verwendet. Allerdings hält die Qualität der festen Produkte, nehmen wir hier mal den Vergleich einer Shampoobar zu einem flüssigen Shampoo, nicht stand. Wir haben bei einem flüssigen Shampoo einfach die Möglichkeit mildere Tenside zu verwenden. Wir müssen nicht auf Buttern zurückgreifen, sondern können die besten flüssigen Öle für unsere Haare verwenden, ebenso Feuchthaltefaktoren sowie Wirkstoffe und wir können den pH-Wert gezielt einstellen. Diese Möglichkeiten haben wir bei einer Shampoobar nicht.  Die Auswahl an Inhaltsstoffen für feste Produkte ist nun einmal begrenzt. Die große Masse an Menschen wird sich wohl kaum davon überzeugen lassen, sich ab sofort nur noch mit Kastaniensud zu Waschen und sich ausschließlich mit regionalem Sonnenblumenöl einzucremen. Wir wollen ja die Errungenschaften der Kosmetik nicht missen mit all ihren Extraktionsverfahren und tollen biotech-Wirkstoffen, die ja zudem meist Wasserlöslich sind. Oder möchtest Du auf Feuchthaltefaktoren und wasserlösliche Wirkstoffe in Deiner Creme verzichten? Ich definitiv nicht.

Welche Produktverpackungen sind im Kosmetikbereich sinnvoll?

In erster Linie müssen wir hier das Thema Hygiene anführen. Gerade wenn Wasser in einem Produkt im Spiel ist, muss dies ordentlich und möglichst luftdicht verpackt sein. Hier fällt der unverpackt Laden schon mal durch. Tatsächlich ist ein Airless-Spender hier die beste Wahl, denn wie der Name schon sagt wird Luft hier ausgeschlossen. Das heißt, es können keine neuen Keime „einfliegen“ und auch unsere pflanzlichen Fette sind gut vor Oxidation durch Sauerstoff geschützt. Glas ist natürlich auch ein sehr hygienisches Verpackungsmittel, allerdings nicht, wenn wir die Creme mit der Hand entnehmen. Und in der Dusch möchte ich auch kein Glas stehen haben. Für mich persönlich dann doch lieber Plastik, aber dies möglichst häufig wiederverwenden und wenn es irgendwann kaputt ist, ordentlich im dualen System entsorgen.

Ist Müllvermeidung das einzige Kriterium für Zero Waste Kosmetik?

Natürlich nicht. Und vor allem geht es nicht nur um die Produktverpackung. Bis das fertige Kosmetikprodukt beim Verbraucher ankommt, waren die einzelnen Inhaltsstoffe des Produkts schon mehrfach verpackt. Die Produktverpackung ist nur die kleine Spitze des Eisbergs. Dennoch lohnt es sich hier natürlich genauer hin zu schauen und nachzuhaken. Wurde die Verpackung recycelt also wiederverwendet? Und wenn ja, wie viele Rohstoffe wurden hier verbraucht?

Wie viel Wasser- und Energie wurde bei der Produktion verbraucht? Wie viel CO2 ausgestoßen?

Für uns Verbraucher ist das nicht zu durchschauen. Es gibt allerdings Studien die zeigen, wie viel mehr Energie und vor allem Wasser verbraucht wird, wenn Verpackungen recycelt werden.

Und jetzt kommt noch ein etwas böser Fakt: Einige synthetische hergestellte Rohstoffe gewinnen sogar in der Betrachtung der Ökobilanz gegenüber pflanzlichen Stoffen. Weil Pflanzen ja erst einmal Wachsen müssen, Nährstoffe, Wasser und Licht brauchen, dann meist maschinell geerntet und transportiert werden und meist mehrstufig verarbeitet werden. Und jedes mal werden sie Verpackt, es wird Energie und Wasser verbraucht, CO2 ausgestoßen.

Wie wurde der Rohstoff angebaut und geerntet?

Stichwörter hier sind großflächige Rodungen, Monokulturen unter Einsatz von Pestiziden und Ausbeutung von Landbevölkerungen oder Kinderarbeit. Denn in der Zero Waste Definition werden auch gesundheitliche und soziale Aspekte mit heran gezogen. Auch bei dieser Betrachtung verliert die Naturkosmetik meist gegenüber konventioneller Kosmetik.

Was kostet Zero Waste Kosmetik?

Leider ist Zero Waste gerade für klitzekleine Anbieter wie mich eine Frage des Preises. Es gibt tolle ausgeklügelte ökologische Verpackungen auf dem Markt, die ich mich fast nie leisten kann. Warum? Natürliche Rohstoffe kosten gegenüber synthetisch hergestellten Rohstoffen ungefähr das 10-fache!!! Kostet fertige Kosmetik im Handel 10x mehr als konventionelle Kosmetik? natürlich nicht. Das heißt, die konventionelle hat einfach eine größere Gewinnspanne – es ist viel lukrativer! Und würdest Du dann für Deine Gesichtscreme zusätzlich noch einmal 3 € mehr ausgeben für eine Verpackung mit einer besseren ökologischen Bilanz? Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass das nicht so ist. Aber ich werde weiterhin die Augen dafür offen halten.

Zero Waste Kosmetik – mein (subjektiver) 9 Schritte Ansatz

Das Thema Zero Waste Kosmetik ist ein riesiger Rattenschwanz. Ich muss gestehen, da fühle ich mich doch noch oft überfordert. Zumal ich auch ganz offen gestehe, dass mein Hauptziel hautphysiologisch sinnvolle Naturkosmetik ist, und das Thema Nachhaltigkeit sich diesem unterordnen muss. Dennoch bin ich auf der Suche nach Lösungen für die oben genanten Fragen. Um dabei aber nicht komplett irre zu werden, habe ich mir einen ganz persönlichen / Schritte Ansatz

  1. Verwende nur Kosmetikartikel die Du wirklich brauchst und auf die Du nicht verzichten kannst
  2. Verwende Verpackungen wieder, wo es nur geht (es muss aber auch hier hautphysiologisch sinnvoll sein, was beim Pumpspendern und -zerstäubern hin und wieder seine Grenzen hat)
  3. Mache einen großen Bogen um Verpackungen, die mehr Schein als sein sind. In der konventionellen Kosmetik gibt es eine Tendenz durch größere, schwerere und aufwendigere Verpackungen den Inhalt fertiger erscheinen zu lassen. Nicht mit mir!
  4. Wenn Du Verpackungen nicht wiederverwenden kannst, dann führe sie dem Recycling-System zu. Hier ist ganz klar das Ziel: so wenig Restmüll wie nur möglich. Wir hier Deutschland, dem Land des grünen Punkts haben da einigen anderen wirklich etwas voraus. Nutze es!
  5. Suche nach Verpackungen, mit einer besseren ökologischen Bilanz als die bisherigen
  6. Verwende keine Inhaltsstoffe, die Mikroorganismen in Gewässern schädigen können
  7. Bestelle so selten wie möglich Rohstoffe und wenn, dann in so große Mengen wie möglich, ohne etwas aufgrund des MHD wegwerfen zu müssen
  8. Verwende möglichst häufig naturbelassene, ökologisch und fair produzierte und gehandelte Rohstoffe
  9. Zeige nicht mit dem Finger auf andere, denn Du hast noch genug vor Deiner eigenen Türe zu kehren!

Ist Zero Waste Kosmetik Augenwischerei? Können wir Müllvermeidung bei Kosmetikprodukten auf die Spitze treiben und irgendwann nur noch unverpackt einkaufen? #müllvermeidung #ZeroWaste #unverpackt #cradletocradle #nachhaltig #nowaste #umweltschutz


Martina Gräf

DIY Kosmetik verrückt, Mama von 2, Ehefrau, Kosmetikerin, Vegetarierin und unumstürzliche Optimistin :)

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